Die Idee, für die zahlreichen Besucher und Firmenvertreter, die geschäftlich nach Kirschau und Umgebung kamen, eine gepflegte Stätte zur Bewirtung und Beherbergung zu schaffen, hatte bereits vor dem I. Weltkrieg der Textilfabrikant Reinhold Friese. 1921 wurde sie umgesetzt und die „Fremdenhof GmbH“ gegründet. Ihr gehörten die Textilfirmen Gebrüder Friese, Pelz und Paul, Otto Engert aus Kirschau, C.G. Thomas aus Wilthen, Carl Kalauch aus Köblitz und die Weinbrand Hünlich AG aus Wilthen an.

Sie beauftragten mit dem Entwurf, der Planung und Leitung des Baues einen der damals besten deutschen Architekten, Max Hans Kühne aus Dresden. Nach dem Erwerb eines Baugrundstückes von ca. einem Hektar Fläche konnte von 1921-23 der Bau erstellt werden. Das Haus wurde in seiner barock verspielten Ausprägung dem Standort und dem städtebaulichen Gepräge des Ortes angepasst.

 

Vom 27. bis 29. Januar 1923 erfolgte die dreitägige Eröffnung des Fremdenhofs „Zum Weber“. Er hatte 34 Hotelzimmer, ein Restaurant und einen Festsaal, Wirtschaftsgebäude, eine moderne Kegelanlage, Garagen, einen Pferdestall und Wagenremisen. Eine einfache Gaststätte, die sogenannte „Schwemme“, war ebenfalls vorhanden. Fünf Pächter in Folge betrieben den Fremdenhof „Zum Weber“. Nach guten folgten, bedingt durch die Weltwirtschaftskrise, schlechte Zeiten.

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1935 kam es zur Zwangsversteigerung. Die Textilfirma Gebrüder Friese AG ersteigerte als Meistbietender für nur 19000 RM den Fremdenhof „Zum Weber“ und verpachtete ihn erneut. In den Kriegsjahren des II. Weltkrieges (1942-45) nutzte man das Gebäude als KLV-Lager (Kinderland – Verschickung/Lager Sachsen No.127). Kurz nach Kriegsende wurde der Gaststätten- und Hotelbetrieb, nach dem Tod des letzten Pächters E. Maul, wieder eingestellt. 1949 verpachtete die Firma „Gebrüder Friese AG“ in Verwaltung, das Objekt an die Gemeinde Kirschau. Bei der Firma Friese handelte es sich nunmehr um einen Betrieb, der unter die „Verordnung und Schutz ausländischen Eigentums“ fiel. Den Fremdenhof „Zum Weber“ benannte man nach Gründung der DDR 1949 in „Ernst-Thälmann-Haus“ um und baute die Räumlichkeiten für einen Kindergarten mit Wochenheim aus. 1954 folgte der Schulhort und 1955 die Kinderkrippe.

 


 

Nach Umzug der Kindereinrichtungen in die ehemalige Fabrikanten-Villen von Paul Friese 1963 und Max Pelz 1968 war der Anfang einer neuen Bestimmung als Ferienheim und Gästehaus des VEB VEGRO (Volkseigener Betrieb Vereinigte Grobgarnwerke Kirschau) gemacht. Nach einem Schulerweiterungsbau mit Hort 1972 (Unterricht wurde in dieser Zeit auch in Räumen des ehemaligen „Webers“ durchgeführt) und dem Bau eines Mehrzweckgebäudes mit Speiseraum an der Schule, konnten die anfänglich an den Wochenenden statt findenden Bauarbeiten beginnen. Von 1977-80 wurde forciert daran gearbeitet und am 28. März 1980 (zu Ostern) das „Ernst-Thälmann-Haus“, wieder in Ferienheim und Gästehaus „Zum Weber“ umbenannt, eröffnet. Es hatte eine Kapazität von 200 Plätzen zu bieten, die sich auf Restaurant, Körse-Eck, Weinterrasse, Tanzbar und eine Bauernstube verteilten. Außerdem standen 35 Hotelzimmer zur Verfügung. Eine zusätzliche Aufgabe hatte der „Weber“ als Ferienheim zu erfüllen. Er wurde zum Urlauberaustausch von VEGRO mit anderen Betrieben und in den Ferien als Kinderferienlager genutzt.

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Neben den Finnhütten wurde noch ein Funktionsgebäude mit Küche, Speisesaal und ein Platz für sportliche Aktivitäten für das Ferienlager erbaut. Das „Aus“ für den gesamten Komplex kam 1991. Die Vermögenswerte der ab 1969 zum VEB VEGRO Kirschau gehörenden Gebr. Friese AG standen u.a. mit dem Ferienheim und Gästehaus „Zum Weber“ ab 1992 zum Verkauf. Nach 4 Jahren des Dornröschenschlafes kaufte 1996 die Familie Rüdiger Schumann den „Weber“. Von November 1997 bis August 1998 wurden aufwendige Renovierungsarbeiten durchgeführt. Am 21. August erfolgte die Neueröffnung des Hotels „Zum Weber“.

 

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